Vielleicht war es Inspiration – oder auch ein und dieselbe Person. Alles nahm seinen Anfang im Gierather Wald etwa um 2006, als plötzlich an verschiedenen Stellen und in unregelmässigen Abständen grüne Zettel auftauchten – gerollt und mit einem Wollbindfaden an Zweigen irgendeines Strauches befestigt. Neugierig näherte man sich, zog vorsichtig die Rolle aus der Schleife und entfaltete schließlich ein Gedicht mit wenigen Zeilen, gedruckt auf wasserfestem Papier. Es waren romantische Zeilen über Natur, Gefühle, Farben – nicht eindeutig zu interpretieren, erschlossen sich dem Leser je nach Stimmungslage völlig unterschiedliche Assoziationen. Schließlich rollte man den Gedankenanstoß wieder vorsichtig ein und steckte ihn wieder zurück – für den nächsten neugierigen Menschen, der vorbeikam. In der Regel verschwand ein Zettel aber schon nach einem Tag. Und trotzdem tauchen bis heute immer mal wieder neue „Dankanstöße“ auf.

Ganz ähnlich verhielt es sich dann mit den freien Kunstwerken, die – ich kann mich leider nicht mehr genau daran erinnern- vor etwa zwei bis drei Jahren erstmalig hier im Wald auftauchten. Sie sind eindeutig das Werk eines begabten Handwerkers und Künstlers, der – anonym bleibend – von Zeit zu Zeit etwas Neues aufstellt.

Man geht durch den Wald und hängt seinen Gedanken nach, als das Auge plötzlich an etwas haften bleibt, was ungewöhnlich erscheint, oft genug auch farbenfroh. Man nähert sich vorsichtig und es breitet sich dieses spezielle innere Lächeln aus. Ich kann es nicht genau erklären, aber diese Farbenklekse im Wald machen einfach Spaß. Man tauscht sich mit Freunden und Bekannten gerne und begeistert über die neuesten Installationen aus und macht sich schnell auf, es zu sehen, wenn einem wieder etwas Neues zu Ohren kommt – bevor es verschwindet oder zerstört wird.

In der Tat erfreuen die Kunstwerke wohl die Mehrheit der Waldspaziergänger – aber wie so oft findet sich immer jemand, dem etwas nicht gefällt. Wie an diesem Kommentar des zugehörigen Artikels aus dem informativen Bürgerportal Bergisch Gladbach ersichtlich, macht sich wohl schon seit geraumer Zeit ein Mittvierziger regelmässig auf, um die Kunstwerke zu zertrümmern und die Reste einfach in den Wald zu schmeissen. Darauf angesprochen, erwiderte er nur lapidar, dass das nicht in den Wald gehöre und er das nicht auch noch wegräume.

Durchaus nachvollziehbar ist das Argument, dass die Natur belassen werden sollte, wie sie ist. Jedoch weist der Künstler mit seinen Kunstwerken genau auf Stellen hin, wo der Mensch die Natur verändert hat: An Wegkreuzungen, Bachbegradigungen und Baumstümpfen. Wer ein wenig nachdenkt, kann auch Bezüge zu Umgebung und Vorkommnissen herstellen:

  • Ein bunter Baum an einer Schonung, wo vor einigen Jahren durch einen Strum eine riesige Schneise gezogen wurde und sich nun ein Birkenhain (als echte Pionierpflanzen) gebildet hat.
  • Ein aufgrebrochenes, blutendes Herz aus Holz, nahe der Stelle an eben jener Schonung, an der die Jäger im vergangenen Dezember am hellichten Tag mittels einer Treibjagd ein wahres Gemetzel unter den Wildschweinen angerichtet haben. Angeblich wurden 18 Tiere erlegt, einige liefen noch blutend quer durch den Wald bis über die Straße, die den Wald und den (umzäunten) Golfplatz trennt. Auf dem festgetretenen Schnee der Wege waren die Blutlachen noch viele Tage zu sehen gewesen.

Ich habe in der Galerie die meisten Kunstwerke dokumentiert – ebenso ihre sinnlose Zerstörung, die ich immer noch nicht nachvollziehen kann. Dem Spießbürgertum somit zum Opfer gefallen sind mittlerweile:

Die Kunstwerke, die es Stand heute (14. April 2011) noch zu entdecken gibt:

Zum Glück habe ich von all diesen Kunstwerken noch Fotos machen können oder wurden mir zugeschickt (siehe Galerie).

Man kann nur hoffen, dass uns der unbekannte Künstler auch weiterhin viel Freude bereitet! Ansonsten würde ich ja gerne mal ein anonymes GassiPod-Interview mit dem Künstler machen und ihn Fragen stellen wie:

  • Wie kam er auf die Idee und was inspiriert ihn?
  • Wie definiert er für sich diese Art von freier Kunst?
  • Wie setht er zu der teilweise kurzen Lebensdauer seiner Werke, ist dies das gängige Schicksal „freier Kunst“?
  • Anonym bleibend, ist es schwer, Feedback zu bekommen von den Menschen, die sich mit seiner Kunst befassen bzw. Gedanken dazu machen. Wie steht er zu dieser Art einseitigen Dialog, behindert oder fördert es seine Arbeit?
  • Spezifisch auf die Werke eingehend –  was hat er sich bei den jeweiligen Installationen gedacht, welche Aussagen sieht er darin?
  • … usw.

Vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Gassigang; jedenfalls würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.

Aktualisierung 17. März: Mittlerweile gibt es nun auch einen guten Artikel im „Bergischen Teil“ des Kölner Stadtanzeigers über diese Waldkunst

Aktualisierung 30. März: Die Sägeblätter aus Holz, die den Holzeinschlag symbolisierten,  wurden kürzlich wie erwartet abgetreten und zerstört. Dafür gibt es ein riesengroßes, sorgfältig geknüpftes Spinnennetz und einen neongelben Baum – siehe Fotos. Die schwarzen Steine liegen wohl noch verstreut am Rand im Wasser.

Aktualisierung 25. Mai: Es wurden wieder einige Kunstwerke zerstört, dafür gibt aber es ganz aktuell eine schöne „Flamme“, die wohl auf die aktuelle Waldbrandgefahr hinweisen soll (s. erstes Foto).

Aktualisierung 9. Juli: 30m neben der „Flamme“ gibt es nun einen blauroten „Pferdekopf“ und an der Stelle, wo einmal der wunderschöne Regenbogenbaum stand, gibt es nun eine „Besiedelung“ (Kunstwerk mit verschieden großen Knöpfen). Dafür hat jemand den schönen Holring mit dem Flammenkeil entfernt, nachdem dieser fast ein Jahr überstanden hatte.