Das neue Magellan eXplorist 710

Das neue eXplorist 710

Der Geocacher an sich denkt sich im Schnitt alle 15 – 24 Monate, dass sein Hobby im Vergleich zu der Verschwendungssucht seiner Partnerin doch *sehr* günstig ist und dass es doch mal wieder an der Zeit wäre, mit selbiger zu gehen (der Zeit, nicht der Frau). Ein neues muss her – möglichst eines, bei dem er nicht noch zusätzlich Cachebeschreibungs-Ausdrucke, Kamera, Autonavi, Karten, Diktaphon, und Handy mitnehmen muss. Beim neuen Magellan eXplorist 710 braucht Ihr nur noch letzteres zusätzlich mitzunehmen. Und vielleicht noch Ersatz-Akkus – aber die Mignon-AA halten allemal viel länger als z.B. ein Eierfon (welches im Regen auch nicht wirklich Spaß macht).

Ich bin erst einmal mit der üblichen, Männern oft zu eigenen Methode des „Akkus-rein-anschalten-und-rumspielens“ an das Objekt meiner jüngsten Begierde herangegangen. Die dabei aufkommenden Fragen habe ich mir notiert und „wegrecherchiert“ – sie werden dann im zweiten Teil des GassiPods behandelt. Alles in allem vermutlich ein nützlicher und interessanter GassiPod für Geocacher. Alle Nicht-Cacher dürfen ja, wenn es in die Technik geht, den Vögeln im frühlingshaften Wald lauschen, die uns eine wunderbare Hintergrundmusik bescherten.

Beispielfoto vom GPS eXplorist 710 (Larson)

Beispielfoto vom GPS eXplorist 710 (Larson)

Das Gerät kann sowohl Audio (.amr Format, lässt sich mit dem Gerät als auch z.B. mit einem Video-Player abspielen) als auch Videodaten aufzeichnen und des Weiteren Vektor- (.imi Format) und Rasterkarten, sowie Points-of-Interest als Layer übereinander darstellen.

Am PC angeschlossen, stellt sich eine sehr übersichtliche Ordnerstruktur dar:

  • APP
  • Geocaches
  • MAP
  • Media
  • Routes
  • Sys
  • Tracks
  • USR
  • Waypoints

Lustigerweise, kann man sich meiner Ansicht nach die freie Software „VantagePoint“ (analog Mapsource bei Garmin) sparen und gpx-Dateien direkt in das -Verzeichnis schieben. Die Daten stehen dann sofort zur Verfügung, das ist echt cool!

Über die Webseite http://maps4me.net lassen sich lizenzfreie Open-Street-Map Karten, die u.a. für die eXplorist Serie konvertiert wurden, verarbeiten. Die OSM-Karten sind aber aktuell (Juni 2011) noch nicht routingfähig. Dies wird allerdings von der „eingebauten“, sehr detaillierten Europakarte exzellent erledigt, so dass man zumindest im Straßenverkehr über den eingebauten Lautsprecher mit der gelangweilten Standard-Damenstimme und „Abbiege-Pieptönen“ gut geleitet wird. Rasterkarten lassen sich mit dem freien Konverter MOBAC für das Gerät konvertieren.

Die Qualität der eingebauten 3.2 MPix Kamera ist wider erwarten sehr ordentlich. Allerdings ist im Gegensatz dazu die Audioqualität der Diktaphon-Aufnahmen im ominösen Adaptive Multi Rate (AMR) Format weniger gut gelungen. Obwohl dieses Format auf Sprachaufnahmen optimiert sein soll (siehe Wiki). Aber das könnt Ihr ja live im GassiPod erleben!

Videos (mp4) gehen auch, über die Qualität schweigen wir uns auch einmal aus, hier ein Beispiel.

 

Fazit:

Das 710er ist eine echte eierlegende Wollmilchsau: Man speichert mal eben bis zu 10.000 Geocache-Beschreibungen (aber bisher wohl nur 2.000 Wegpunkte, siehe hier unter „Geocaching“) über Pocketqueries auf dem Gerät und kann auf der bis zu 32 GB fassenden (optionalen) Micro-SD-Card noch einiges mehr an Daten ablegen. Adresseingabe, Autorouting und Anfahrt zum Cache kann alles mit einem Gerät erledigt werden. Am Ziel der Autofahrt angekommen, fragt das Gerät, ob auf den Fußgängermodus gewechselt werden soll.  Alles scheint sehr gut durchdacht und auch ordentlich eingedeutscht. Wer mag, kann beim Routing sogar auch die Satellitensicht verfolgen. (Siehe dazu diesen Thread auf dem MagellanboardeXplorist 710 – erste Eindruecke).

Die Möglichkeit, mit Layern zu arbeiten, GPX-Dateien z.B. als PQs über VantagePoint direkt von geocaching.com herunterzuladen und mit dem Geärt zu synchronisieren ist unkompliziert und es macht auch Spaß, das 4 x 6,7cm große Display zu nutzen (wer kann schon was mit Zollangaben anfangen). Die extreme Flexibilität in der Konfiguration der Menüs und kleine durchdachte Details (wie z.B. die Lupenfunktion der Karte – einfach den Finger drauflassen!) lassen alle Cacherherzen höher schlagen. Ich muss zugeben, das ist das Gerät, welches ich eigentlich schon länger haben wollte. Natürlich ist es nicht perfekt – dazu mehr in der unten stehenden Aktualisierung!

Für weitere Details unbedingt die folgenden Aktualisierungen lesen, in denen ich wirklich einigermaßen in die Tiefen des Geräts gedrungen bin. Der GassiPod (Audioteil in mp3 zum Download) steht weiter unten.


 

Aktualisierung vom 25. Mai 2011: Und sie dreht doch… (die OSM-Karte)…  😉

Aktualisierung vom  8. Juni 2011: Eine Woche geocachen in Cornwall ergeben für mich ein klares Bild: Das Gerät ist die Cachemaschine, auf die ich immer gewartet habe! Eine Pocket Query über VantagePoint direkt von geocaching.com auf das Geärt spielen und los geht’s. Man schaltet einfach irgendwo ein und wartet, bis der Satfix da ist. Dann sucht (und filtert) man nach den nächsten Geocaches oder tippt diese auf der Karte an, um die komplette Beschreibung zu sehen (wie bei allen anderen Geräten auch, muss man sich bei Spoilerbildern allerdings manuell behelfen, siehe hier).

Vor Ort kann man dann auch noch direkt als „gefunden“ loggen und später synchronisieren (das geht angeblich, aber ich bin noch dabei herauszufinden, wie 🙄 ). Die Akkulaufzeit ist auch gut, solange man nicht zu lange mit Hintergrundbeleuchtung am Gerät herumspielt. Ein 2100-Infinium-Satz hielt 43 Cachelogs und 8 Stunden durch. Es gibt mittlerweile aber auch Ni-MH Akkus mit hoher Kapazität und geringer Selbstentladung, allen voran die Sanyo XX.

Die von mir zuerst als „Gimmick“ missachteten Funktionen wie 3.2 MPix.Kamera, Videofilm-Funktion und Diktatfon habe ich tatsächlich ziemlich oft benutzt – es ist einfach praktisch, alles in einem Gerät zu haben und Fotos mit Koordinateninformation in den Exif-Daten machen zu können.

Die von mir empfundenen Nachteile des eX710 will ich aber hier auch anführen:

  • Es braucht 6 Tipps auf den Screen, bis man einen neuen Waypoint eingeben kann – die Eingabe selbst ist aber extrem schnell und mit einem Joystick-GPS nicht zu vergleichen! Auch können Waypoints noch nicht zu einem Geocache zugeordnet werden. Beide Punkte wurden aber schon als Wunsch für das nächste Firmware-Update an Magellan addressiert.
  • (Bisher) kein Routing mit den freien Open Streetmap Karten. Das geht übrigens auf den Garmin Oregons nur deshalb, weil ein findiger Hacker den Garmin Code dafür geknackt hat. Mit der 10er Serie der eXploristen dürften sich allerdings mehr Leute mit den Magellan Geräten befassen. Dieser „Nachteil“ ist allerdings zu verschmerzen, denn wer braucht schon eine nette Frauenstimme, die einem sagt, ob man an der nächsten Waldkreuzung links oder rechts abbiegen soll. Die mit dem eX710 gelieferte Straßenkarte für Europa hingegen ist sehr gut und erlaubt auch die intelligente Adresseingabe.  Für den geplanten Florida-Urlaub kann man dann erwägen, noch einen Invest in iGo8 zu tätigen – dabei muss allerdings die 2GB-SD-Card von iGo in das Gerät gesteckt werden.
  • Wenn man das Gerät aus dem Ruhezustand bringt, werden erst einmal die Trackinformationen aufbereitet und die Datenbank neu indiziert – das dauert dann schon mal zwei Minuten. Danach hat das 710er allerdings auch den Satfix. Mal eben kurz in den Ruhezustand ist daher alles andere als empfehlenswert.
  • Auch nervt es manchmal, dass die Kamera etwas lange braucht (ca. 10 Sekunden), bis sie „geladen“ ist, das erinnert mich an meine erste Digicam von Olympus. Filmen und Fotografieren mit dem eX710 ist generell etwas gewöhnungsbedürftig: Per Default kann man die Applikation für die eingebaute Kamera mit dem unteren Knopf auf der linken Geräteseite starten – beim Filmen/Fotografieren muss dieser Knopf dann aber unten sein, nicht oben – sonst steht das Bild auf dem Kopf! Auch hat man sehr schnell mal einen Finger vor der Linse, wenn man das Gehäuse links auch noch festhält.
  • Die Qualität der Audioaufnahmen ist unnötigerweise (viel Speicher!) sehr schlecht, reicht aber als Diktafon vollkommen aus.
  • Es gibt auch die Funktion „Nächster Geocache“ – allerdings ist die noch nicht sauber implementiert, denn nach ca. 10 Sekunden Ladezeit werden nur unsinnige POIs angezeigt, keine Caches in der Nähe.
  • Die zugehörige Software „VantagePoint“ scheint (ähnlich wie Garmins „MapSource“) eher rudimentär zu sein. Über „Geocache/Anfragen ablegen“ kann man seine Login-Daten von geocaching.com hinterlegen und dann zwischen dem eX710, VP und geocaching.com synchronisieren.
  • Vor Ort durchgeführte Logs stehen auf dem Gerät im Verzeichnis „Geocaching/logs.txt“.  In der Firmware kleiner Version 5 gab es noch einen Bug der verursachte, dass wenn nach dem Beenden einer Route kein Logeintrag geschrieben wird, diese Datei nicht erstellt wird (danke an SG1 für den Hinweis!). Die Logs stehen dann aber noch in der Datei „Magellan_Geocache_Extension.gpx“. Trägt man dann einfach irgendwo einen Cache als gefunden ein, wird aus dieser Datei die „logs.txt“ sauber erstellt. Alle Logs sind dann wieder da und können mit VantagePoint auf geocaching.com überspielt werden.
  • Die neue Funktion „Field Notes„, die man auf geocaching.com in seinem Profil einstellen kann, unterstützt explizit auch das 710er! Mit der gesonderten PQ „My Finds“ kann man dann auch noch dafür sorgen, dass die eigenen Funde dem Gerät bekannt sind. Die „Found-Smilies“ werden aktuell in der Kartendarstellung anscheinend noch nicht angezeigt.
  • Ein von mir gerade durchgeführter Firmware-Update (auf V5.53, geht sehr einfach!) hat alle Geocaches auf dem Gerät gelöscht und durch die 1000 Standard-Caches ersetzt, die mit dem Gerät ausgeliefert wurden. Ich habe dann direkt über VantagePoint über die Funktion „Geocaches/Anfragen ablegen“ auf meine bei geocaching.com wöchentlich automatisch erzeugten und zum Dowload bereitgestellten Pocket Queries zugegriffen und auf das Gerät transferiert. Erstaunlicherweise ging das bei den über 6.000 Geocaches recht schnell innerhalb von ca. 15 Minuten (ohne Bilder, wer die braucht, kann das Gerät über Nacht angeschlossen lassen  😎 – das hat allerdings nichts mit dem Gerät zu tun). Alle anderen Einstellungen wurden übrigens beim Firmware-Update beibehalten.
  • In der 4,83er Firmware berichteten einige über einen ständig drehenden Kompass (s. hier, hatte ich auch einmal), nachdem sie einen Cache als „gefunden“ eingetragen hatten. Wenn das passiert, hilft es offentsichtlich, alle Dateien im Verzeichnis „USR“ auf dem Gerät zu löschen – sie werden beim nächsten Start großteils neu erzeugt und das Gerät funktioniert wieder einwandfrei. Diese Bugs wurden an Magellan berichtet und sind mit der aktuellen Firmware meines Wissens ausgeräumt.
  • Noch ein Schönheitsfehler: Die hinterlegte Spannungskennlinie für das Energieprofil „Akku“ scheint nicht auf die mit 1.2 V  niedrigere Spannung von den beliebten NiMh Akkus ausgelegt zu sein. Sie werden schnell als leer angezeigt, obwohl sie es gar nicht sind. Bis dies in einer der nächsten Firmwareversionen behoben ist (in V5.53 jedenfalls noch nicht), sollte man einfach die Einstellung „Alkali“ verwenden – und schwupps, hat Scotty wieder Energie! 🙂
  • Für die zukünftigen Firmware-Updates wünsche ich mir v.a. die Möglicheit, Wherigo-Caches damit machen zu können – da auf dem Gerät Windows CE hinterlegt ist, sollte das eigentlich gar kein Problem und nur eine Frage der Zeit sein.
  • Ansonsten hätte ich gerne noch eine eingebaute Taschenlampe, einen mp3-Player mit Kopfhörerbuchse, einen Taschenrechner, einen Notizzettel und den Kuli, den ich immer vergesse, mitzunehmen 🙂

Übrigens sind die von einem GassiPod-Hörer empfohlenen RAM-Mounts für das 710er angekommen: Diese kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen – sehr gut durchdacht sowie gute Qualität des Kunststoffs! Ich habe mir über die amerikanische Webseite von ebay.com für 29$ einen für’s Auto bestellt (somit habe ich direkte Voice-Navigation und Routing auch mit Mietwagen am Urlaubsort) und für 20$ diesen Fahrradhalter, den man einfach abnehmen kann.  Der eXplorist wird dabei in eine perfekt sitzende Schale geklemmt, die Kamera und Lautsprecher freilässt, aber das Gerät sicher hält.

Aktualisierung vom 25. Juni 2011: Völlig abgefahren! Experte Sockeye hat herausgefunden, wie man an das darunterliegende Windows CE kommt und (fast) beliebige Pocket-PC Programme starten kann! Siehe dazu diesen Thread im Magellan-Forum. Von Tetris, über Navi-Software bis hin zum Total Commander alles dabei!

Aktualisierung vom 11. Juli 2011: Es gibt ja zwei verschiedene (in der aktuellen Firmware noch viel zu umständliche, aber schon gemeldete) Arten, einen neuen Wegpunkt einzugeben. Mir ist es gestern bei einem Multicache zweinmal passiert, dass ich über den Reiter rechts unten gegangen bin und bei der Koords-Eingabe zwar das Curserfeld oben angezeigt wurde, aber das Zahlentastenfeld fehlte! Der Screen stand und rührte sich nicht mehr. Absturz! Ein Kaltstart reichte dann übrigens  nicht- ich musste jedes Mal die Akkus ganz rausnehmen. War bei der alten Firmware nicht so, dürfte beim nächsten Update aber wieder verschwunden sein (aktuell ist v5.93 vom 9. Juni 2011).

Vorinstallierte Europakarte als Layer über der Satelliten-Rasterkarte von Google Hybrid

Weitere Punkt: Akkus waren leer und frisch geladene eingesetzt. Das Ding braucht die zwei Minuten zum Start und meldet sich dann mit der Meldung, dass ich die Batterien wechseln sollte. Man kann dann nur noch bestätigen und das Teil schaltet in den Ruhezustand. Per Knopfdruck aus selbigen erweckt und alles ist normal, auch der Ladezustand der Akkus. Kann aber auch daran liegen, dass ich die NimH (2000mAh) aufgrund empfehlung auf „Alkali“ (und nicht auf „Akkus“) stehen hatte.

Nach so vielen kleinen Nickeleien seid Euch aber versichert, dass ich das Teil nicht mehr hergeben möchte! Ich habe auch noch etwas Tolles entdeckt: Mit MOBAC kann man aus seiner Homezone Kartenkacheln ziehen (z.B. die Satellitenansicht) und auf das eX710 spielen. Die MOBAC-Karten dürfen dabei 2GB nicht übersteigen, weil MOBAC sonst mit einer Fehlermeldung abbricht. Normalerweise muss man dann die Karten mit einem anderen Tool zusammenführen, nicht so beim eX710: Einfach alle Rasterkarten drauf und er zeigt die an, die der aktuellen Position entspricht! Dazu schaltet man die OSM ab und die mitgelieferte Europa-Karte an. Das verhindert bei der Überlagerung der Karten den „grünen Schleier“ der OSM und erlaubt gleichzeitig noch die Straßennavigation. Man kann dann jederzeit auf die OSM umschalten, wenn man es braucht.

Einstellungen für MOBAC:  Unter Settings die maximale Kachelgröße auf 18.000 begrenzen, AUsgabeformat auf „Magellan .rmp“ und im Hauptfenster links oben Zoomlevel und „Grid Zoom“ auf 10 setzen. Zoom Levels einstellen:  18, 16, 14, 12, 9.  Im gewünschten Zielgebiet dann die erste Kachel links oben markieren/wählen und als „1.1“ abspeichern (Zeile 1, Spalte 1), usw. Die so erhaltenen Rasterkarten dann dirket per USB (NICHT über Vantagepoint, dauert zu lange) auf die 16 GB oder 32 GB Speicherkarte aufspielen und unter den Kartenoptionen auf dem GPS dann bei „Bildkarten“ alle Karten per Häkchen aktivieren, fertig..

 


Aufnahme: 18. Mai 2011
38 MB
53 min
96 kbps

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Themen und Links:

 

Zum Schluss noch der Beweis für die im GassiPod erwähnte Cachedichte im Cornwall:

Caches im Cornwell - dem südwestlichsten Zipfel Englands

Caches im Cornwell – dem südwestlichsten Zipfel Englands