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GP#064: Das Ende von Gutenberg (oder: Der Tod der klassischen Buchverlage)
Zurzeit liebe ich es ja, in beliebiger Runde meine harte These zu vertreten, dass die klassischen Buchverlage mit der jetzigen Generation aussterben werden. Welcher Autor hat es eigentlich noch wirklich nötig, bei Verlagen als schlechtbezahlter Bittsteller aufzutreten? Verlage, die nichts weiter tun, als sein Gedankengut teuer auf ein 600 Jahre altes Medium zu drucken, zu lagern, an die Händler zu fahren, die es dann in den eigenen Läden verkaufen. Dies verursacht enorme Kosten und der Autor bekommt fast nichts vom Gewinn, weil die Verlage auch die 95% Remittenden “durchfüttern” müssen. Von den Umweltaspekten dieser vorsintflutlichen Vorgehensweise mal ganz zu schweigen (hinzu kommt noch der Sprit, den ein Käufer verfahren muss, um zum Buchladen zu fahren). Das Geld wird bei den Verlagen mit den Bestsellern gemacht, angetrieben von einer gewaltigen Marketing-Maschine. Letzteres ist vermutlich noch der einzige Grund, weshalb junge Autoren doch noch an die Türen der Verlage klopfen, anstatt Angebote wie z.B. Book on Demand zu nutzen – allerdings werden dann 9 von 10 schlicht abgelehnt.
Es muss die Frage erlaubt sein: Sind eBooks da nicht viel zeitgemäßer?
Die Verlage krüppeln sich – wie die Musikindustrie 10 Jahre zuvor – mit einigen wenigen eBooks als Versuchsballons rum, die den Kunden im Download satte 90% vom gedruckten Buch kosten, obwohl die Vollkosten im Vergleich zum gedruckten Werk fast vernachlässigbar sind (anteiliges Hosting und Shop-Software auf einem Server). Das uralte Relikt der “Buchpreisbindung” (schon das Wort passt nicht auf digitale Daten) muss dann als Argument für die lächerlich hohen Preise für digitale Werke herhalten. Was ist denn ein aus Kundensicht gefühlt fairer Preis für ein digitales Buch? Vollkosten + 20% Marge dürften ein digitales Buch nicht mehr als 2 bis 4 Euro kosten lassen!
Ähnlich sieht es bei den Formaten für eBooks aus: Dateien, die nur auf spezifischen Geräten lesbar sind. Offene Standards wie z.B. ePub ist beispielsweise auf dem iRiver Story, aber nicht auf dem Kindle lesbar. Auch PDF wird oft nicht perfekt dargestellt, obwohl es ein Vektorformat ist.
Hinzu kommt noch – wie in der Musikindustrie auch – ein dubioser Kopierschutz, das sogenannte Digital Rights Management (DRM). Es ist angeblich zum Schutz der geistigen Arbeit der Autoren, in Wirklichkeit aber wohl eher eine Absicherung für die Verlage, die offene Formate fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Die Musikindustrie argumentiert mit astronomisch hohen Summen als Verlust durch Raubkopierer, verschweigt aber dabei, dass die Inhalte auf den Internet-Tauschbörsen zum Großteil nur den Sammeltrieb befriedigen, mitnichten aber identisch sind mit potentiellen Käufern – die gewinnt man anders! Man könnte vielmehr die Kunden über intelligente Suchfunktionen und Mehrwerte auf den Online-Angeboten leicht für sich gewinnen – Amazon macht es auch bei eBooks und mp3-Downloads vor.
Bei den Hörbüchern hat mich in dieser Hinsicht z.B. die Webseite von Audible überzeugt, die hervorragende Filtermöglichkeiten bildet, um meine Suche einzugrenzen (gekürzt/ungekürzt, Länge, Alterszielgruppe, Genre, etc.). Auch dort gibt es zwar einen proprietären Kopierschutz, jedoch ermöglicht mir das Format, ein Hörbuch auch nach Monaten genau dort weiterzuhören, wo ich es gestoppt habe – ein Mehrwert für mich!
Meine persönliche Meinung ist allerdings, dass ein Großteil der Verlage und Händler in weniger als 15 Jahren vor Amazon die Segel streichen müssen, weil sie sich nicht anzupassen vermögen. Amazon hat sich dagegen schon in der letzten Dekade mehrfach selbst neu erfinden müssen, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie etliche andere Internet-Giganten vor ihr (Yahoo, AOL etc.). Es wird dabei wunderbare Paradigmenwechsel geben! Google speichert jetzt schon Bücher seiner Kunden in der privaten Cloud vom eBook-Store (als “Bücherregal”) und Amazon bietet unbekannten Autoren an, auf ihrer Plattform zu veröffentlichen – ein Horrorszenario für die altbackenen Verlage. Sie werden nicht schnell genug auf die Digitalisierung von Wissen reagieren und stattdessen versuchen, mit Barrieren den Fortschriftt aufzuhalten. Am Ende wird es ihnen so ergehen wie z.B. der Firma Kodak. Wer als Vorstand eines (klassischen) Buchdruckverlages seine analoge Kamera gegen eine digitale eingetauscht hat, ist zu 100% inkonsequent und müsste wegen strategischer Kurzsicht seinen Job einem Menschen mit mehr Vision und Flexibilität überlassen.
Die meisten von Euch mögen es, ein Buch zu “besitzen”, es zu fühlen, zu riechen, es im Regal als Schatz zu betrachten oder auch zu verleihen. Ich mag das auch. Und trotzdem: Verschiedenste eBooks (je nach Stimmung) verfügbar, wo ich will, keine Stapel mehr, die ich in den Urlaub schleppen muss – und auch mehr Platz im Wohnzimmer (vom Staubwischen ganz zu schweigen). Ich finde es aufregend, wenn ich am Strand meinen eBook-Reader auspacke, den ich – im Gegensatz zum Buch – bequem mit einer Hand halten kann!
Ich freue ich auf die Zukunft – für jung(gebliebene) Leser und v.a. für die vielen noch unbekannten Autoren in der Welt, denen sich tolle Chancen eröffnen !
Aufnahme: 1. Dezember 2011
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Links zum Thema:
- GassiPod #61: eBooks und eBook-Reader
- Über Katrin Kempf wurde ich im Nachhinein noch auf diesen interessanten Artikel aufmerksam gemacht:
Gutenberg 3.0 – Ebook-Piraterie in Deutschland - Books on Demand
- eBook auf Wikipedia
- Der iRiver Story HD und der Kindle 3G auf Amazon

Hallo Tom,
ja – am eBook oder Papierbook scheiden sich wohl die Geister… zweifellos ist es richtig was Du sagst, dass sich bei den klassischen Papierbüchern die Verlage und Buchhändler die Taschen vollstopfen und der Autor mit einer milden Gabe abgespeist wird (vor 20 Jahren waren es mal 7 Prozent vom Verkaufspreis, ich nehme an da hat sich nicht viel geändert)
Dementsprechend könnte man ja nun denken: ein eBook muss einmal produziert werden und kann dann beliebig oft ohne Materialeinsatz vervielfältigt werden; es entfällt der Transport vom Verlag zum Großhändler, die Marge des Großhändlers, der Transport zum Einzelhandel und der Verdienst des Einzelhandels. Auch von vor 20 Jahren habe ich noch ne Zahl im Kopf: Mehr als 50% des Verkaufspreises frisst der Handel, d.h. von dem eigentlichen VK kommt weniger als die Hälfte beim Verlag an. Wie gesagt, diese Infos sind ca. 20 Jahre alt, aber ich denke die Größenordnung ist heute noch gültig.
Dementsprechnd müsste man meinen, ein eBook dürfte maximal die Hälfte vom Druckbuch kosten und der Verlag würde dann noch mehr Gewinn machen als mit dem normalen Buch, weil ja die Produktionskosten des Buches wegfallen. Wenn ich dann aber sehe, dass ein gebundenes Buch statt 20 Euro als eBook 18 Euro kostet, dann kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier die Verlage versuchen, zusätzlichen Reibach zu machen.
Ich bin bestimmt nicht technikfeindlich und neuen Gadgets gegenüber schon eher aufgeschlossen, aber wenn ich am Strand liege, dann ist mir ein Buch immer noch lieber als ein eBook-Reader. Und wenn wir dann zusammen schwimmen waren und aus dem Wasser kommen, dann liegt mein Buch vermutlich noch neben dem Handtuch, während Deins wahrscheinlich geklaut wurde
In diesem Sinn,
ciao,
Ralf
Ja, aber dafür ist dann meine Brieftasche noch da
Was mir noch als Vorteil einfiel: Ich brauche neuerdings eine Lesebrille (jaja, das Schicksal ereilt jeden von uns etwa mit Mitte 40). Wenn ich die mal wieder nicht dabei habe, brauche ich am eBook bloß die Schriftgröße zu ändern. Mach das mal mit einem normalen Buch
also ich hab’ die typische Fernbrille für kurzsichtige Maulwürfe seit ca. 25 Jahren. Die muss ich zum lesen immer ABSETZEN – das ist der Unterschied
Ich bin halt noch ein Konsument der alten Schule: wenn ich für was Geld ausgebe, will ich auch was zum Anfassen in der Hand haben und nicht nur ein paar Bytes
Ich lese schon seit ca 10 Jahren auf unterschiedlichen Geräten mobil in S- und U-Bahn.
Angefangen damals mit einem Compaq iPAQ 3630. Nach ein paar Jahren kam ein Update auf ein Dell Axim X51v. Mittlerweile lese ich auf meinem Smartphone.
Die Gründe dafür waren eigentlich nur, dass ich in der Bibliothek nicht mehr das fand, was ich lesen wollte. Damals war das Tom Clancy. Ab da gabs keinen Grund mehr für Bibliothek, ich hatte “meine eigene”.
Und da diese noch Stoff zum Lesen für Jahre bietet, gab es bisher noch keinen Anlass, dass ich mich mit den modernen Buchshops hätte auseinander setzen müssen.
Gestern hatte ich im Saturn einen 150-Euro-Ereader von Sony in den Fingern. Ich war schon etwas beeindruckt vom Gerät. Sehr leicht und das Schriftbild war auch ok. An das längere Umblättern könnte man sich gewöhnen. Allerdings ganz schön viel Geld nur fürs Lesen. Da bleibe ich doch lieber beim Smartphone und einem zukünftigen 7-Zoll-Tablet, damit kann man einfach noch mehr anstellen.
Schönen Gruß aus Berlin
Endlich gibt es auch Cover für den iRiver Story HD zu kaufen. Habe meine Schutzhülle gestern bekommen und finde sie sehr gut durchdacht. Sie ist aus echtem Leder und man kann das eBook damit senkrecht aufstellen – das ist optimal, wenn man (wie ich) im Bett gerne auf der Seite liegend liest :O)
–> http://goo.gl/qM9h3
(Allerdings fand ich 5€ Versandkosten doch etwas happig – Amazon macht diese nicht besonders transparent i.Ggs. zu ebay).
Also oben neben dem berühmten Drop-to-basket-button steht:
EUR 19,90 + EUR 4,97 Versandkosten
Finde ich nicht intransparent, allenfalls zu teuer
Kommt ja auch nicht von Amazon, sondern von einem Drittanbieter.
Gibt’s Taschen für das Gerät nicht im lokalen Billig-und-blöde-Markt?
@Ralf: Ich kaufe seit Jahren eigentlich nur noch über das Internet ein, weil ich keinen Bock mehr habe, durch Geschäfte zu tapern und nur das bisschen an Auswahl bei zu hohen Preisen zu haben. Ausnahmen bilden da eigentlich nur Lebensmittel und Klamotten. Und ja, falls ich demnächst eine Gleitsichtbrille brauche, bestelle ich die wohl eher bei brille24.de als beim Optiker (das Webinterface ist echt geil gemacht!). :O)
Bzgl. Preistransparenz: Naja, man sammelt im Warenkorb und geht dann zur virtuellen Kasse. Ist man dort aber erst einmal, sieht man keine Aufschlüsselung mehr der Versandkosten.
Man lernt nie aus – dass man auch Brillen im Webshop bestellen kann wusste ich noch gar nicht. Danke für den Tipp, probiere ich nächstes mal vielleicht aus.
So, gerade mal auf brille24.de geschaut. Sind ja echt günstige Preise. Was halt blöd ist: man kann nicht sehen wie das Gestell auf der eigenen Birne aussieht
Auch meine Boxen (Sat+Sub im WZ und 5.1. Anlage für das Heimkino) habe ich bei Nubert im Internet (http://www.nubert.de/) gekauft: Referenzklasse zu sehr fairen Preisen, weil Vertrieb und Händleraufschlag wegfallen. In den Tests immer wieder hervorragend und – das Wichtigste: Jeder hat ein anderes Wohnzimmer. Der eine Audiophile hat Kacheln, der andere Teppich. Es macht keinen Sinn, die Boxen in einem optimierten Studio beim Händler anzuhören – dort hört man nur relative Unterschiede in dieser Räumlichkeit. Wichtig ist aber der Klang zu Hause!
Bei Nubert bestellt man die Boxen, bekommt sie an die Haustür geliefert und testet sie einen Monat lang. Wer mag, kann sie danach kostenlos wieder abholen lassen (siehe Webseite unter “nuPhilosophie”). Da das keiner macht (weil die Boxen wirklich gut sind), funktioniert das auch rentabel für Nubert.
Hi Tom,
also HiFi und generell Technik: immer gern im Versandhandel. Das Problem ist mittlerweile auch, dass es den klassischen Fachhandel gar nicht mehr gibt. Beim Thema Bücher, hatten wir schon weiter oben, gibt’s zwar noch Läden, aber wie schon richtig erkannt haben die keine Auswahl. Löbliche Ausnahme: Dussmann in Berlin. Riesiger Buch- und Medienladen mit eigener großen Abteilung mit englischsprachigen Büchern. Man kann sich ein Buch schnappen und sich auf einen der zahlrechen Sessel setzen und darin schmökern, ohne blöd angemacht zu werden “Hörnse mal, wennse das lesen wolln müssenses erst kaufen”. Im Gegenteil, Lesen ist da durchaus erwünscht. Einmal habe ich sogar Schnittchen gereicht gekriegt. Ich gehe da immer wieder gern hin wenn ich zu Besuch in Berlin bin, der hat nämlich sogar bis Mitternacht geöffent.
Tja, bei meiner neuen Kamera habe ich mir das auch überlegt, einen Fachhandel aufzusuchen, auch wenn sie da vielleicht 50 EUR teurer ist – dafür Beratung und wenn was nicht klappt, einen Händler wo man hingehen kann. Leider ist das einzig verbleibende Fotogeschäft in Nürnberg bei meinem Besuch durchgefallen. Der der mich bedient hat, hatte leider nicht viel mehr Ahnung als der Onkel im Billig-und-blöde-Markt (okay, von dem erwarte ich es auch nicht). Bei Computern hat man hier und da noch Glück und trifft einen kompetenten Mitarbeiter, aber bei Spezialthemen kann man das mittlerweile vergessen.
Ciao,
Ralf
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