iRiver Story HD

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Zurzeit liebe ich es ja, in beliebiger Runde meine harte These zu vertreten, dass die klassischen Buchverlage mit der jetzigen Generation aussterben werden. Welcher Autor hat es eigentlich noch wirklich nötig, bei Verlagen als schlechtbezahlter Bittsteller aufzutreten? Verlage, die nichts weiter tun, als sein Gedankengut teuer auf ein 600 Jahre altes Medium zu drucken, zu lagern, an die Händler zu fahren, die es dann in den eigenen Läden verkaufen. Dies verursacht enorme Kosten und der Autor bekommt fast nichts vom Gewinn, weil die Verlage auch die 95% Remittenden „durchfüttern“ müssen. Von den Umweltaspekten dieser vorsintflutlichen Vorgehensweise mal ganz zu schweigen (hinzu kommt noch der Sprit, den ein Käufer verfahren muss, um zum Buchladen zu fahren). Das Geld wird bei den Verlagen mit den Bestsellern gemacht, angetrieben von einer gewaltigen Marketing-Maschine. Letzteres ist vermutlich noch der einzige Grund, weshalb junge Autoren doch noch an die Türen der Verlage klopfen, anstatt Angebote wie z.B. Book on Demand zu nutzen – allerdings werden dann 9 von 10 schlicht abgelehnt.

Es muss die Frage erlaubt sein: Sind da nicht viel zeitgemäßer?

Die Verlage krüppeln sich – wie die Musikindustrie 10 Jahre zuvor – mit einigen wenigen eBooks als Versuchsballons rum, die den Kunden im Download satte 90% vom gedruckten Buch kosten, obwohl die Vollkosten im Vergleich zum gedruckten Werk fast vernachlässigbar sind (anteiliges Hosting und Shop-Software auf einem Server). Das uralte Relikt der „Buchpreisbindung“ (schon das Wort passt nicht auf digitale Daten) muss dann als Argument für die lächerlich hohen Preise für digitale Werke herhalten. Was ist denn ein aus Kundensicht gefühlt fairer Preis für ein digitales Buch? Vollkosten + 20% Marge dürften ein digitales Buch nicht mehr als 2 bis 4 Euro kosten lassen!

Ähnlich sieht es bei den Formaten für eBooks aus: Dateien, die nur auf spezifischen Geräten lesbar sind.  Offene Standards wie z.B. ePub ist beispielsweise auf dem iRiver Story, aber nicht auf dem Kindle lesbar. Auch PDF wird oft nicht perfekt dargestellt, obwohl es ein Vektorformat ist.

Hinzu kommt noch – wie in der Musikindustrie auch – ein dubioser Kopierschutz, das sogenannte Digital Rights Management (DRM). Es ist angeblich zum Schutz der geistigen Arbeit der Autoren, in Wirklichkeit aber wohl eher eine Absicherung für die Verlage, die offene Formate fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Die Musikindustrie argumentiert mit astronomisch hohen Summen als Verlust durch Raubkopierer, verschweigt aber dabei, dass die Inhalte auf den Internet-Tauschbörsen zum Großteil nur den Sammeltrieb befriedigen, mitnichten aber identisch sind mit potentiellen Käufern – die gewinnt man anders! Man könnte vielmehr die Kunden über intelligente Suchfunktionen und Mehrwerte auf den Online-Angeboten leicht für sich gewinnen – Amazon macht es auch bei eBooks und mp3-Downloads vor.

Bei den Hörbüchern hat mich in dieser Hinsicht z.B. die Webseite von Audible überzeugt, die hervorragende Filtermöglichkeiten bildet, um meine Suche einzugrenzen (gekürzt/ungekürzt, Länge, Alterszielgruppe, Genre, etc.). Auch dort gibt es zwar einen proprietären Kopierschutz, jedoch ermöglicht mir das Format, ein Hörbuch auch nach Monaten genau dort weiterzuhören, wo ich es gestoppt habe – ein Mehrwert für mich!

Meine persönliche Meinung ist allerdings, dass ein Großteil der Verlage und Händler in weniger als 15 Jahren vor Amazon die Segel streichen müssen, weil sie sich nicht anzupassen vermögen. Amazon hat sich dagegen schon in der letzten Dekade mehrfach selbst neu erfinden müssen, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie etliche andere Internet-Giganten vor ihr (Yahoo, AOL etc.). Es wird dabei wunderbare Paradigmenwechsel geben! Google speichert jetzt schon Bücher seiner Kunden in der privaten Cloud vom eBook-Store (als „Bücherregal“) und Amazon bietet unbekannten Autoren an, auf ihrer Plattform zu veröffentlichen – ein Horrorszenario für die altbackenen Verlage. Sie werden nicht schnell genug auf die Digitalisierung von Wissen reagieren und stattdessen versuchen, mit Barrieren den Fortschriftt aufzuhalten. Am Ende wird es ihnen so ergehen wie z.B. der Firma Kodak. Wer als Vorstand eines (klassischen) Buchdruckverlages seine analoge Kamera gegen eine digitale eingetauscht hat, ist zu 100% inkonsequent und müsste wegen strategischer Kurzsicht seinen Job einem Menschen mit mehr Vision und Flexibilität überlassen.

Die meisten von Euch mögen es, ein Buch zu „besitzen“, es zu fühlen, zu riechen, es im Regal als Schatz zu betrachten oder auch zu verleihen. Ich mag das auch. Und trotzdem: Verschiedenste eBooks (je nach Stimmung) verfügbar, wo ich will, keine Stapel mehr, die ich in den Urlaub schleppen muss – und auch mehr Platz im Wohnzimmer (vom Staubwischen ganz zu schweigen). Ich finde es aufregend, wenn ich am Strand meinen eBook-Reader auspacke, den ich – im Gegensatz zum Buch – bequem mit einer Hand halten kann!

Ich freue ich auf die Zukunft – für jung(gebliebene) Leser und v.a. für die vielen noch unbekannten Autoren in der Welt, denen sich tolle Chancen eröffnen !

 


Aufnahme: 1. Dezember 2011

5 MB
6 min
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